Martina erzählt von Ihrer Geburt

„Ich heiße Martina, bin 33 Jahre alt und habe Mitte November 2015 mein erstes Kind zur Welt gebracht. Ich war eine der ersten Schwangeren, die Hypnobirthing bei Petra Kleist in der Hebammenpraxis Dormagen machen konnte.

Von Hypnobirthing habe ich das erste Mal ungefähr vor 2,5 Jahren gehört und zwar in Verbindung mit Herzogin Kate und der Geburt ihres Sohnes Prinz Georg. In den Medien sah man, wie blendend sie kurz nach der Entbindung ausschaute und man vermutete, dass dies im Zusammenhang mit Hypnobirthing stand, bei der Kate Middleton scheinbar ohne Schmerzmittel eine sanfte und ruhige Geburt hatte.

Als ich dann selbst schwanger wurde und mich nach diversen Entspannungs- und Vorbereitungskursen erkundigt habe, tauchte dieser Begriff immer wieder auf. Doch der – für mich persönlich – hohe Preis ließ mich den Gedanken, es ausprobieren zu wollen, wieder verwerfen und ich belegte stattdessen diverse Schwangerschaftsgymnastik, – yoga und Aquafitnesskurse. Im Aquafitness-Kurs von Petra Kleist erzählte sie uns voller Überzeugung dann in der letzten Stunde, dass sie sich in Richtung Hypnobirthing weitergebildet hätte und dies auch bald in ihrer Praxis anbieten würde.

Je näher mein Entbindungstermin heran rückte, desto weniger ließ mich der Gedanke los, es zu probieren. Natürlich liest man viel im Internet darüber und es werden Alternativen wie CDs und Literatur (meist in englischer Sprache) angeboten, bei denen man sich es kostengünstiger selbst beibringen kann. Ich wusste jedoch, dass es für mich persönlich nicht das Gleiche ist.

Ende 2015 hatte ich meine Fortbildung zum Personal- und Business Coach erfolgreich beendet, was unter anderem auch Techniken aus dem NLP (grob gesagt: Verankerung von positiven Gedanken, Sugesstions- und Motivationstechniken) aber auch das Hypno-Coaching beinhaltet.

Bedingt durch diesen Hintergrund und einigen praktischen Erfahrungen war mir klar, dass Hypnobirthing nichts mit der klassische Show-Hypnose zu tun hat. Das bedeutet nicht, dass ich völlig willenlos das tue, was mein Hypnotiseur mir ins Ohr flüstert. Ich lerne viel mehr mich in Entspannung und in eine Art Trancezustand zu versetzen. >>Einen Trancezustand kann man sich vielleicht so vorstellen: Ich fahre morgens von zuhause aus zu meiner Arbeitsstelle und plötzlich bin an meinem Ziel angekommen, völlig gedankenversunken, dem Radio lauschend und frage mich: „Wie bin ich eigentlich den ganzen Weg hierhergekommen?“ Trotzdem behalte ich ja meine Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr, aber dadurch, dass ich diese Strecke tagtäglich routiniert fahre, kann ich den Weg quasi „im Schlaf“ abspulen. <<

Mein Hintergrundwissen war anfangs sogar etwas hinderlich für mich, weil ich alles was Petra gesagt oder gemacht hat, analysiert und interpretiert habe, anstatt mich komplett darauf einzulassen. Dennoch ist mir direkt in der ersten Stunde eine kleine Träne geflossen, weil mich eine Situation so berührt hatte, womit ich nun wirklich nicht gerechnet hätte!

Ich finde Hypnose ist Vertrauenssache, denn nur durch tiefes Vertrauen kann man sich auch fallen lassen und darauf einlassen. Glücklicherweise kannte ich Petra schon von einigen Kursen und wem kann ich wohl mehr vertrauen, als einer Frau, die schon bei mehr als 2000 Geburten mitgeholfen hat, dass die kleinen Erdenbürger das Licht der Welt erblicken?

Neben Phantasiereisen, Atemtechniken und Entspannungsübungen hat mir der Austausch vor und nach den Übungen mit einer so erfahrenen Hebamme geholfen, meine Unsicherheiten und Ängste zu nehmen, so dass ich einfach nur wahnsinnig neugierig auf die Geburt und sogar auf die Schmerzintensität war. Aber vor allem, ob ich in dieser Extremsituation auch das Erlernte wieder abrufen kann.

Es ist im Übrigen nicht so, dass ich mich auf die Couch gelegt habe, hypnotisiert wurde und dann war der Schmerz für die Geburt komplett „weghypnotisiert“ war. So darf man sich das leider nicht vorstellen. Ich musste schon einige Wochen vor der Geburt täglich meine „Hausaufgaben“ machen und das in den Stunden Erlernte, immer wieder tagtäglich üben. Auch mein Partner wurde in den letzten Stunden miteinbezogen und musste aktiv mitarbeiten. Ich muss gestehen, ich war etwas unsicher, ob er es vielleicht irgendwie blöd findet und es vielleicht sogar belächelt, wenn er mit in die Praxis kommt. Doch ich muss sagen, dass auch diese Erfahrung uns wieder ein Stückchen näher gebracht hat und er ein ganz wichtiger Anker bei der Geburt unseres ersten Kindes war. Es war im Nachhinein auch wirklich gut für ihn, dass er mir unter der Geburt „aktiv“ helfen konnte und nicht nur hilflos dabeistehen musste.

Ich möchte gar nicht zu viel auf die einzelnen Dinge eingehen, die wir in den Hypnobirthing-Stunden besprochen und erlebt haben, da ich niemanden beeinflussen möchte und es auch sicherlich jeder anders erleben wird. Natürlich kann man sich im Internet informieren, jedoch würde ich persönlich dies so gering wie möglich halten und sich auf keinem Fall auf Dinge, die dort stehen, versteifen. Oft sieht man auch Videos im Internet mit Unterwassergeburten im Zusammenhang mit Hypnobirthing, bei der die Frau mehr oder weniger leise entbindet.

Ich war weiß Gott nicht leise und ich hätte mir nie vorstellen können in einer Wanne zu gebären, ich wollte höchstens darin kurz entspannen und mich auf eine lange Nacht vorbereiten…ja und völlig schmerzfrei war es definitiv auch nicht, aber ich hatte merkwürdigerweise keine Angst und ich denke dies hat auf jeden Fall dazu beigetragen, dass sich auch der Muttermund so schnell geöffnet hat und alles so wahnsinnig schnell ging.

Viele Leute in meinem Umkreis haben mich danach gefragt ob es das Geld wert war und ob es „gewirkt“ hat. Ich kann nur sagen, dass ich nach 1 Stunde und 15 min in der Badewanne (widererwartend tatsächlich Wassergeburt!!!) im Krankenhaus entbunden habe, ohne Medikamente und Schmerzmittel und das als Erstgebärende….was ja schon nicht schlecht ist für den Anfang